Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 168, Heft 11,
November 2026
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 03 November 2026  
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Tollwut bekämpfen: One Health in der Praxis

Eldrid Funck, Kommunikationsverantwortliche VSF-Suisse

In der Schweiz gilt Tollwut seit 1998 als eliminiert. Weltweit fordert sie noch immer Tausende Menschenleben. VSF-Suisse setzt auf Impfungen, Aufklärung und One Health.

Am 28. September sassen Rose Juru und Dr. Richard Sebit in Südsudan vor dem Radiomikrofon. Anlass war der Welttollwuttag. Die beiden Mitarbeitenden von Vétérinaires Sans Frontières Suisse (VSF-Suisse) erklärten am Radio, wie Tollwut übertragen wird, warum Hunde geimpft werden sollten und was nach einem möglichen Kontakt mit einem infizierten Tier zu tun ist. Gerade in Regionen, in denen veterinärmedizinische und medizinische Angebote nur eingeschränkt verfügbar sind, ist das Radio ein wichtiger Informationskanal. Menschen können damit auch ausserhalb der grösseren Städte erreicht werden.

59 000 Todesfälle pro Jahr

In der Schweiz spielt Tollwut heute kaum noch eine Rolle. Weltweit sterben laut Weltgesundheitsorganisation WHO jedoch jährlich in über 150 Ländern rund 59 000 Menschen an der Krankheit. Etwa 95 Prozent der Fälle treten in Afrika und Asien auf. In bis zu 99 Prozent der menschlichen Fälle erfolgt die Übertragung durch Hunde. Da Tollwutfälle nicht überall zuverlässig erfasst werden, dürfte die tatsächliche Zahl höher liegen.

In der Schweiz wurde die terrestrische Tollwut durch die grossflächige Impfung von Füchsen eliminiert; seit 1998 gilt das Land diesbezüglich als tollwutfrei. Ein Restrisiko bleibt durch Fledermäuse bestehen.

Prävention beginnt beim Tier

In mehreren Projektländern von VSF-Suisse ist die Ausgangslage eine andere. Dort gehört Tollwut weiterhin zu den relevanten Tierseuchen und Zoonosen. VSF-Suisse kombiniert deshalb Impfungen mit Aufklärung, Ausbildung sowie der Überwachung und Kontrolle von Tollwutfällen.

In Togo wurden im Rahmen einer Impf- und Sensibilisierungskampagne mehrere Hundert Hunde und Katzen gegen Tollwut geimpft. Parallel dazu wurde die Bevölkerung darüber informiert, wie sich Tollwut verhindern lässt und wie sie sich nach einem möglichen Kontakt mit einem infizierten Tier verhalten sollte.

Auch in Südsudan ist Aufklärung ein wichtiger Teil der Prävention. Frühere Radiokampagnen von VSF-Suisse erreichten laut Projektberichten rund 25 000 Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Sendungen beantworten Fragen, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden können: Was ist nach einem Hundebiss oder Kratzer zu tun? Wann muss medizinische Hilfe gesucht werden? Und weshalb reicht es nicht, eine Wunde mit traditionellen Mitteln zu behandeln?

Neben der Prävention unterstützt VSF-Suisse in Südsudan auch die Bekämpfung von Tollwutausbrüchen. Projektberichte nennen Einsätze in Boma, Rubkona und Aweil East. Personen, die möglicherweise dem Virus ausgesetzt waren, wurden bei der Überweisung zur Postexpositionsprophylaxe unterstützt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung. Veterinär- und Gesundheitsfachpersonen werden zu Übertragung, Symptomen, Diagnostik, Prävention sowie Melde- und Kontrollsystemen geschult. VSF-Suisse arbeitet dabei mit Veterinär- und Gesundheitsdiensten, Behörden, Universitäten und lokalen Gemeinschaften zusammen.

An der Schnittstelle

Tollwut veranschaulicht den One-Health-Ansatz besonders deutlich. Der wirksamste Schutz für Menschen beginnt bei der Infektionsquelle: dem Hund. Werden genügend Hunde geimpft, sinkt das Übertragungsrisiko. Gleichzeitig müssen Menschen wissen, wie sie nach einem möglichen Kontakt reagieren müssen. Eine Bisswunde sollte sofort gründlich gereinigt und medizinisch beurteilt werden. Bei einer möglichen Exposition kann eine rechtzeitig begonnene Postexpositionsprophylaxe den Ausbruch der Krankheit verhindern.

Mit «Zero by 30» verfolgen WHO, WOAH, FAO und die Global Alliance for Rabies Control das Ziel, bis 2030 menschliche Todesfälle durch hundevermittelte Tollwut zu beenden. Dazu braucht es kontinuierliche Impfung, verlässliche Meldewege, Zugang zur medizinischen Versorgung und Zusammenarbeit zwischen Veterinär- und Humanmedizin.

Was das in der Praxis bedeutet, lässt sich an der Radiosendung von Rose Juru und Richard Sebit ablesen: Menschen müssen wissen, wie sie einer Ansteckung vorbeugen und nach einem möglichen Kontakt reagieren können. Dieses Wissen ergänzt Impfungen und veterinärmedizinische Massnahmen – und kann im Ernstfall Leben retten.

Quellen:

  • World Health Organization (WHO). 2026. Rabies – Fact sheet.
  • World Health Organization (WHO). 2026. The facts on rabies.
  • World Health Organization (WHO). 2026. Animal rabies.
  • Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). 2026. Tollwut.
  • Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). 2025. Zoonosenbericht 2024.
  • World Health Organization (WHO), Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), World Organisation for Animal Health (WOAH) & Global Alliance for Rabies Control (GARC). 2018. Zero by 30: The Global Strategic Plan to End Human Deaths from Dog-Mediated Rabies by 2030.

Gemeinsame Impfaktion für Hunde und Katzen in Togo durch VSF-Suisse und Partnerorganisationen. © VSF-Suisse

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