Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 168, Heft 10,
Oktober 2026
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 06 Oktober 2026  
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Vet-Info

Arbeitserfahrung erleichtert den Berufseinstieg

Nicole Jegerlehner

Eine Befragung zeigt, was Studierende und Berufseinsteigende über das Veterinärstudium denken – und deckt Gründe für einen Berufswechsel nach dem Studium auf.

Fast ein Drittel der aktuell Studierenden hat bereits einmal darüber nachgedacht, das Veterinärstudium abzubrechen. Das zeigt der Bericht «Evaluation im Studium Veterinärmedizin: Befragung aktueller und ehemaliger Studierenden», den Véronique Eicher und Lars Balzer von der Eidgenössischen Hochschule für Berufs­bildung im Auftrag der Vetsuisse-Fakultät der beiden Standorte Zürich und Bern erstellt haben. Der Bericht beruht auf einer Befragung bei ehemaligen und aktuellen Studierenden der Veterinärmedizin der Universitäten Bern und Zürich Ende 2025. Als Ehemalige wurden jene kontaktiert, die ihr Studium ab 2010 begonnen hatten. Insgesamt beteiligten sich 723 Personen an der Umfrage. 297 davon haben das Studium erfolgreich abgeschlossen, 339 sind noch am Studieren und 87 haben das Studium abgebrochen. Dies entspricht einem Rücklauf von 29,1 Prozent.

Falsche Erwartungen

Die Befragten gaben an, sich im Vorfeld gut über das Veterinär­studium und den Berufsalltag informiert zu haben. Trotzdem entsprach dann das Studium nicht ihren Erwartungen. Dabei gaben jene Personen, die das Studium abgebrochen haben, stärker an, sich gut über das Studium informiert zu haben als die anderen Personengruppen. Gleichzeitig gaben auch gerade sie stärker an, das Studium habe nicht dem entsprochen, was sie sich darunter vorgestellt hatten. Der Bericht hält darum fest: «Es ist zu klären, ob die verfügbaren Informationen die Realität nicht gut genug abbilden oder ob die Befragten die eigene Informationssuche vor dem Studium überschätzen.»

Fast die Hälfte jener, die das Veterinärstudium abgebrochen haben, taten dies im ersten Studienjahr. Gut ein Viertel brach im zweiten Jahr ab. Als wichtigsten Grund für den Abbruch gaben sie die hohe psychische Belastung durch das Studium an, zudem entspreche das Studium nicht ihren Vorstellungen. Auch sei das Studium zu theoretisch, zu wenig praxisbezogen und zu schwierig. Interessanterweise hatten Personen, die das Studium abbrachen, häufiger einen landwirtschaftlichen Hintergrund als Personen, 
die das Studium abschlossen.

Jene, die sich einen Abbruch überlegt haben, dann aber das Studium doch beendet haben, nannten die psychische Belastung als wichtigsten Grund für einen möglichen Abbruch. Und auch bei den aktuell Studierenden ist die hohe psychische Belastung nebst dem hohen Schwierigkeitsgrad der wichtigste Grund, an einen Abbruch zu denken. Im Bericht heisst es dazu aber auch: «Bezüglich der psychischen Belastung ist anzumerken, dass 29  % der Studierenden in der Schweiz (35  % bei den Frauen) mittelschwere bis schwere Depressionssymptome angeben, so dass dies generell eine Problematik bei Studierenden darstellt.»

Die Sprachenproblematik

Allgemein zeigt die Befragung, dass sowohl die jetzt Studierenden als auch die ehemaligen Studie­renden das Studium der Veterinärmedizin als sehr herausfordernd und belastend beschreiben. Sie führen die Komplexität und die Menge der Inhalte, die Organisation des Studiums sowie eine unklare Kommunikation an. Studierende aus der französischen und der italienischen Schweiz heben zudem hervor, dass es für sie schwierig ist, das an sich schon anspruchsvolle Studium nicht in ihrer Mutter­sprache, sondern in einer Fremdsprache absolvieren zu müssen. Dies bleibt ein grosser Nachteil in der Schweiz.

Erfahrung hilft

Von jenen, die das Studium erfolg­reich abgeschlossen haben, sind rund zwei Drittel in einer Praxis oder einer Klinik angestellt. Rund jede zehnte Person arbeitet selbständig. Fast alle waren irgendwann im tiermedizinischen Bereich tätig und die meisten sind es auch aktuell. Nur fünf Prozent arbeiten nicht mehr im tiermedizinischen Bereich, wobei die Hälfte davon wieder einsteigen möchte.

Jene, die während des Studiums in Tierarztpraxen gearbeitet haben – sei es in einem Praktikum, sei es im Nebenjob – gaben stärker an, dass das Studium sie gut auf den Berufsalltag vorbereitet hat. Hingegen gaben jene, die während des Studiums nicht oder nicht im Veterinärbereich gearbeitet haben, eher an, dass der Berufseinstieg völlig anders gewesen sei, als sie sich dies während des Studiums vorgestellt hatten. Der Bericht folgert: «Dies weist daraufhin, dass die praktische Arbeit im Studium (sei es als Praktikum oder als Nebenjob) wichtig für einen guten Berufseinstieg ist.»

Identifikation und Freude

Die grosse Mehrheit identifiziert sich mit dem Beruf als Tierärztin oder Tierarzt, ist stolz darauf und hat Freude im Beruf. Trotzdem weisen zwei Drittel auf schwierige Arbeitsbedingungen hin: Sie nennen einen zu tiefen Lohn und belastende Arbeitszeiten und halten fest, dass Beruf und Familie nur schwer vereinbar seien. Die wenigen Befragten, die nicht mehr in der Praxis oder gar nicht mehr im veterinärmedizinischen Bereich arbeiten, geben denn auch den unangemessenen Lohn und die Arbeitszeiten als Gründe für ihren Wechsel an. Das bestätigt, dass die Arbeitsbedingungen für den Berufsverband ein wichtiges Thema bleiben müssen. 

Welchen Weg schlagen Veterinärstudierende ein? © GST

Tool zur Selbsteinschätzung

Seit Anfang Jahr können Maturandinnen und Maturanden mit dem Online-Self-Assessment (OSA) für die Veterinärmedizin das Studium und das Berufsbild der Tiermedizin realistisch kennenlernen. Das OSA ermöglicht eine fundierte Selbsteinschätzung und gibt Einblick in die fachlichen, persönlichen und beruflichen Anforderungen des tierärztlichen Berufs – differenziert, praxisnah und entlang der grossen Vielfalt des Tätigkeitsfeldes. Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) hat die Universität Bern im Entwicklungs- und Reviewprozess des OSA unterstützt. Das OSA soll einen Beitrag zu einer reflektierten Studienwahl und zu realistischen Erwartungen an Studium und Beruf leisten.

 
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