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Internships: Fachwissen aufbauen und vernetzen
Linda Mariotti absolviert ein Internship an der Vetsuisse-Fakultät Bern. Sie schätzt den Kontakt zu den Spezialistinnen und Spezialisten und die Abwechslung.
«Die ersten Monate im Internship waren herausfordernd», erinnert sich Linda Mariotti. «Denn von da an waren wir Tierärztinnen und Tierärzte und nicht mehr Studierende». Die 28-jährige Tessinerin hat vor einem Jahr ein Rotating Internship an der Kleintierklinik Bern gestartet. Dieses dauert insgesamt zwei Jahre, wobei sie im zweiten Jahr 50 Prozent ihrer Arbeitszeit für die Doktorarbeit einsetzen kann.
Linda Mariotti hat das Internship nach Abschluss des Staatsexamens und einer einmonatigen Reise nach Vietnam angetreten. Sie hat sich während der Rotationen im fünften Studienjahr dazu entschlossen. «Ich wollte noch mehr lernen und noch mehr wissen,
um mit einem guten fachlichen Niveau in die Praxis einsteigen zu können».
Mit der Zeit kommt die Routine
Während der ersten sechs Wochen des Internships verbrachte Linda Mariotti je eine Woche auf den verschiedenen Stationen, um sich einzuarbeiten: Notfall, Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie, Anästhesie, Radiologie. Anschliessend war sie bereits richtig im Einsatz und betreute eigene Fälle. «Am Anfang fehlte die Routine, das war anspruchsvoll», erzählt sie. «Doch mit der Zeit wird man schneller bei den alltäglichen Arbeiten und es wird einfacher».
Geholfen hat ihr, dass sich das Team jeweils morgens und abends zu Rounds trifft und den Tagesplan und die Fälle bespricht. Sie kann zudem stets Rücksprache nehmen, während den Nachtdiensten ist jederzeit jemand telefonisch erreichbar. Regelmässig finden zudem Weiterbildungen und Journal Clubs statt. Linda Mariotti schätzt es sehr, dass sich im Team der Kleintierklinik auch viele andere junge Tierärztinnen und Tierärzte finden, insgesamt sind es derzeit knapp zwanzig Interns. «So ist immer jemand da, um sich beispielsweise nach einem schwierigen Gespräch mit Tierbesitzern auszutauschen». Zweimal im Monat treffen sich die Interns wenn möglich zu einem Nachtessen.
Bin ich bereit, so viel zu investieren?
Die Tage im Internship sind oft lang und die Freizeit daneben teilweise knapp. Linda Mariotti sagt: «Ein Internship in Angriff zu nehmen, bedeutet ein gewisses Commitment». So benötige man die Motivation, weiterzulernen, Flexibiliät in Bezug auf die Arbeitszeiten sowie Toleranz und Offenheit gegenüber anderen. «Bei uns setzt sich das Team jede Woche neu zusammen». Sie empfiehlt Internship-Interessierten, sich zu überlegen: Benötige ich das Internship für meine gewünschte Berufstätigkeit und bin ich bereit, so viel zu investieren?
Linda Mariotti selbst hat ihren Entscheid noch nie bereut: «Mir gefällt die Abwechslung, die Dynamik und die Vielfalt der Tätigkeiten. Jeder Tag ist anders und ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit». Eine besondere Motivation ist für die junge Tierärztin, wenn sie ein Tier über längere Zeit betreuen kann und sich eine vertrauensvolle Beziehung mit den Besitzerinnen und Besitzern entwickelt.
Sich auszutauschen, Wissen aufzubauen, zu vernetzen und bei der praktischen Arbeit umzusetzen, fasziniert Linda Mariotti. «Ich habe hier direkten Kontakt zu vielen Spezialistinnen und Spezialisten und kann von deren Erfahrungen profitieren». Sie möchte ihre Fachkenntnisse nach dem Internship weiter vertiefen und den Fachtierarzttitel (FVH) für Kleintiere erwerben.
GST-Leitfaden: Minimale Qualitätskriterien
Internships dienen dazu, Tierärztinnen und Tierärzte im Berufseinstieg für eine qualitativ hochstehende tierärztliche Dienstleistung im Privatsektor oder eine Spezialisierung in einem Fachgebiet vorzubereiten. Für den Erwerb eines Titels als Fachtierarzt/Fachtierärztin (FVH) Kleintiere ist ein Rotierendes Internship obligatorisch. Das Ziel der GST und ihrer Sektionen ist, die Qualität der veterinärmedizinischen Berufsausübung zu fördern. Aus diesem Grund und auf Anregung der GST-Kommission youngVets hat die GST in enger Zusammenarbeit mit ihren Fachsektionen und in Anlehnung an internationale Empfehlungen und Richtlinien einen Leitfaden mit Mindestkriterien für Internships erarbeitet – unter anderem mit Empfehlungen bezüglich Inhalten, Grad der Verantwortung und Arbeitsbedingungen. Die Empfehlungen sollen als Leitfaden für Absolvierende von Internships sowie tierärztliche Institutionen dienen, die Internships und Residencies anbieten.

