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Weidewirtschaft zwischen Tradition und Nachhaltigkeit
2026 ist das Internationale Jahr der Weidelandschaften und der Hirten. Diese leisten einen zentralen Beitrag zu Ernährungssicherheit, Klimaresilienz und kultureller Vielfalt.
In Afrika bedecken Trockengebiete mit geringen Niederschlägen und hohen Temperaturen fast 60 Prozent der Landfläche. Diese Regionen, die für den Ackerbau oft ungeeignet sind, bilden seit Jahrhunderten die Grundlage eines bewährten Systems: der mobilen Weidewirtschaft. Hirtennomaden ziehen mit Rindern, Schafen, Ziegen, Dromedaren oder Eseln von Weideplatz zu Weideplatz, stets auf der Suche nach natürlichem Futter und Wasser. Mobilität ist dabei keine Notlösung, sondern das tragende Prinzip dieses nachhaltigen Nutzungssystems.
Tragende Säule für die Zukunft
Die Weidewirtschaft ist eine lebendige Kultur, deren Wissen von den frühen Zivilisationen bis heute weitergegeben wird. Mobilität und die gemeinschaftliche Nutzung natürlicher Ressourcen ermöglichen es, auf klimatische Schwankungen, Dürren, unregelmässige Niederschläge und Überschwemmungen zu reagieren und das fragile Gleichgewicht der Ökosysteme zu bewahren.
Als extensive Nutzungsform schont die Weidewirtschaft den Boden und respektiert natürliche Kreisläufe. Sie fördert die Regeneration der Vegetation, erhält die Bodenfruchtbarkeit und trägt zum Schutz der Biodiversität bei. Weidelandschaften spielen zudem eine Schlüsselrolle im Klimasystem: Weltweit speichern sie rund einen Drittel des bodengebundenen Kohlenstoffs und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung von Desertifikation und Biodiversitätsverlust.
Für Millionen von Familien ist die Weidewirtschaft eine zentrale Lebensgrundlage. Tierische Produkte wie Milch und Fleisch sichern die Ernährung von fast einer halben Milliarde Menschen in Afrika. Nutztiere dienen zudem als Transportmittel, Einkommensquelle und Vermögensreserve – oft sind sie die wichtigste Absicherung gegen Krisen für Wanderhirtinnen und Wanderhirten.
Herausforderungen wachsen
Trotz ihrer Bedeutung steht die Weidewirtschaft zunehmend unter Druck. Besonders gravierend sind wiederkehrende Konflikte zwischen Viehhaltenden und sesshaften Ackerbauern, die durch den Wettbewerb um knapper werdende Ressourcen wie Wasser und Weideland verschärft werden.
Der afrikanische Kontinent erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt. Zunehmende Trockenheit beschleunigt die Bodendegradation und führt zu erheblichem Wasser- und Hitzestress bei den Tieren. Dies erhöht das Risiko von Erkrankungen, Morbidität und Mortalität und begünstigt das Auftreten endemischer und epidemischer Tierkrankheiten sowie von Zoonosen.
Ein weiteres zentrales Problem ist der Verlust von Weideland. Die Umwandlung von Weideflächen für andere Nutzungen, die Blockierung traditioneller Wanderkorridore und der Ausschluss von Wanderhirten aus lokalen Entscheidungsprozessen schränken ihre Lebensweise zunehmend ein.
Die Geschichte von Lado Sule
«Wir sind Nomaden. Das ist unser Leben», sagt Lado Sule, Viehhalter im Südsudan. Jedes Jahr zieht er mit seiner Familie und ihren Rindern, Ziegen und Eseln durch Steppen und Sumpfgebiete auf der Suche nach Wasser und Weideland. Während der Trockenzeit sichert diese Mobilität ihr Überleben, bevor sie später auf denselben Routen zurückkehren.
Doch wenn die Esel erkranken, kommt ihr Leben zum Stillstand. Ohne sie ist es unmöglich, weiterzuziehen oder Kinder in eine Gesundheitseinrichtung zu bringen. Krankes Vieh, fehlendes Wissen und mangelnder Zugang zu tiermedizinischer Versorgung bedrohen Lados Alltag.
Hoffnung schöpft er aus der Unterstützung durch Vétérinaires Sans Frontières Suisse, die lokale Gemeinde-Tiergesundheitshelfer ausbildet. Dank Impfungen und Behandlungen bleiben die Tiere gesund. «Wir sind auf unsere Esel angewiesen», sagt Lado. «Wir werden alles tun, um ihre Gesundheit zu schützen.»
Quellen
The Conversation. 2025. Africa’s drylands need the right kind of support – listening to the pastoralists who live there.
Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) 2025.
https://www.fao.org/rangelands-pastoralists-2026/about/en
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