Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 168, Heft 1,
Januar 2026
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 06 Januar 2026  
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Verbandsnachrichten

Sie geht für ein Jahr als «Floating Doctor» nach Panama

Nicole Jegerlehner

Saskia Grieder interessiert sich für die einfache Medizin und arbeitet darum für eine Hilfsorganisation in Mittelamerika. Dort kümmert sie sich um die Tiere von indigenen Gemeinschaften, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hätten.

Im letzten März hat Saskia Grieder ihren FVH-Titel abgeschlossen, nächsten April bricht die Fachtierärztin für Kleintiere nach Panama auf: Dort werden sie und ihr Partner Nicolas Gürtler, ein Humanmediziner, während eines Jahres für die US-amerikanische Nonprofit-Organisation «Floating Doctors» arbeiten. «Wir haben etwas gesucht, bei dem wir beide arbeiten können und wo spanisch gesprochen wird», sagt Saskia Grieder.

«Floating Doctors» betreibt seit 2011 ein Gesundheits- und Gemeinschaftsprogramm in Panama. Ärztinnen, Zahnärzte, Tierärztinnen und Studierende aus aller Welt engagieren sich als Freiwillige und reisen zu isolierten indigenen Gemeinschaften im Dschungel, die sonst keine medizinische Versorgung hätten. «Die Leute leben in abgelegenen Gebieten und auf Inseln, sie haben oft keinen Zugang zu einem Arzt oder einer Tierärztin – und oftmals fehlt auch das Geld für die medizinische Versorgung», sagt Saskia Grieder.

Unterwegs mit der Hängematte

Die Basis der «Floating Doctors» liegt selber auf einer Insel in der Provinz Bocas del Toro. Von dort aus fahren die medizinischen Teams zu den Dörfern. Ziel ist, dass sie alle drei Monate in den Dörfern präsent sind und so eine konstante medizinische Versorgung garantiert ist. «Manchmal sind das Tagesausflüge, manchmal sind wir mehrere Tage in einer Gemeinschaft, da der Anfahrtsweg so beschwerlich ist», sagt Saskia Grieder. Auf solchen Reisen stehen nach einer langen Bootsfahrt noch Fussmärsche mit Packeseln an, und geschlafen wird in Hängematten.

Während sich zahlreiche Freiwillige aus dem Bereich der Humanmedizin engagieren, gibt es bei den «Floating Doctors» noch nicht so viele Tierärztinnen und Tierärzte. Saskia Grieder weiss noch nicht, ob sie alleine ist oder ob eine zweite Tierärztin Teil des Teams sein wird. «Ich würde es mir wünschen – für den Austausch und weil die Arbeit mit vier Händen einfacher ist.» Auf der Basis leben meist knapp zwanzig Personen: sechs Ärztinnen und Ärzte, zwei bis drei Zahnärztinnen und Zahnärzte, eine oder zwei Tierärztinnen oder Tierärzte und gut zehn Studierende aus der Humanmedizin.

Zuvor noch üben

Derzeit arbeitet Saskia Grieder in einer Kleintierklinik. «In der Schweiz bieten wir hochstehende Medizin an, wir decken von Impfungen bis zur Behandlung von komplexen Fällen alles ab.» Mit dem Einsatz in Panama sucht die 32-Jährige gezielt die einfachere Medizin. Narkosen werden ausschliesslich intramuskulär verabreicht und es stehen nur Basis-Medikamente und einfachste Hilfsmittel zur Verfügung; Mikroskope beispielsweise gibt es keine. Darauf will Saskia Grieder vorbereitet sein. «Ich will dort nicht üben, sondern wissen.» Darum ist sie im März in Griechenland mit einer Tierärztin der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz unterwegs, kastriert Strassenhunde und -katzen und führt lebensrettende und schmerzlindernde Operationen durch. «Während des Studiums gab es wenig Möglichkeiten für praktisch-orientierte chirurgische Ausbildung, nun hole ich das nach.» Mit diesem Training will die junge Tierärztin auch etwas Druck von sich nehmen. «Ich möchte gut vorbereitet sein und direkt helfen können.»

Ungewohnte Krankheiten

Weil die «Floating Doctors» ihre Patientinnen und Patienten nur alle drei Monate sehen, kann sich eine Krankheit in der Zwischenzeit stark verschlechtern. Auch kommen ungewohnte Krankheitsbilder auf Saskia Grieder zu: So verbreitet sich derzeit die Neuwelt-Schraubenwurmfliege, die fast ausgerottet war, in rasantem Tempo. «An manchen Tagen wird viel Improvisation gefragt sein, um die Tiere bestmöglich zu versorgen», sagt Saskia Grieder. Sie wird vor allem Hunde, Schweine und Katzen betreuen.

Auch finanziell wird das Jahr in Panama herausfordernd. Pro Woche erhält Saskia Grieder 125 Dollar als Unkostenbeitrag, und von Sonntagabend bis Freitagabend decken die «Floating Doctors» die Kosten für die Unterkunft und die Verpflegung. Kost und Logis für die Wochenenden, die Reise, die Versicherungen, die Krankenkasse in der Schweiz, der Beitrag an die AHV und die Kosten für die Zwischenlagerung des Hausrats in der Schweiz muss die Tierärztin jedoch selber berappen. Der Hilfsfonds der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte unterstützt sie deshalb während ihres Auslandjahres finanziell. «Ich bin sehr froh um diese Unterstützung, das ist eine grosse Erleichterung.»

 

Der Hilfsfonds der GST

Aus dem ursprünglichen Hilfswerk «Sterbekasse & Hülfsfonds» der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) ist die Stiftung Hilfsfonds der GST geworden. Hauptaufgabe der Stiftung ist es heute, die Weiter- und Fortbildung der Tierärztinnen und Tierärzte nach dem Staatsexamen zu unterstützen: Ein Stipendium von maximal 10 000 Franken kann einen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen oder zumindest erleichtern. So übernimmt der Fonds beispielsweise Laborkosten, die bei einer Dissertation anfallen können. Und während der Covid-Pandemie erhielten Studierende, deren Einkommen aus Nebenjobs während des Lockdowns wegbrachen, einen finanziellen Zustupf. Die Stiftung richtet aber auch finanzielle Beiträge an Projekte aus, welche die Gesundheit der Tierärztinnen und Tierärzte fördern. Daher zahlt der Hilfsfonds  bis ins Jahr 2027 jährlich 10 000 Franken an die Betriebskosten des GST-Notfalltelefons «SOSforVets». Und er unterstützt nun auch die Tierärztin Saskia Grieder, die während einem Jahr für die «Floating Doctors» in Panama tätig sein wird (siehe Haupttext). «Gerne unterstützen wir junge Kolleginnen und Kollegen in ihren Bemühungen, die Gesundheit von Tieren und ihren Haltern zu verbessern, im Ausnahmefall auch im Ausland», sagt Hilfsfonds-Präsidentin Käthi Brunner.

 
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