Verbandsnachrichten
Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel
Am 21. Februar rief die GST zusammen mit vier weiteren Berufsverbänden aus der Medizinalbranche zu einem Weckruf auf den Bundesplatz. Zahlreiche
Tierärztinnen und Tierärzte unterstützten die Aktion. Wie geht es nun weiter?
Die Berufsverbände der Ärztinnen und Ärzte (FMH), der Apothekerinnen und Apotheker (pharmaSuisse), der Chiropraktorinnen und -praktoren (ChiroSuisse), der Zahnärztinnen und -ärzte (SSO) sowie der Tierärztinnen und Tierärzte (GST) haben sich am 21. Februar gemeinsam an die Öffentlichkeit und die Politik gewandt. Sie vertreten zusammen über 63 000 Personen, die für die medizinische Versorgung in der Schweiz unabdingbar sind. Mit einem Hürdenlauf auf dem Bundesplatz in Bern veranschaulichten die fünf Verbände die Hindernisse in ihren Berufen. Jede der acht Hürden entsprach einer Forderung, mit welcher dem Fachkräftemangel begegnet werden kann. Die Verbände verlangten von der Bundespolitik, dass sie sich für den Abbau dieser Hürden einsetzt. Ihren gemeinsamen Forderungskatalog (siehe Kasten) überreichten sie nach der Aktion an Nationalrätin Barbara Gysi (SP/SG) und Ständerat Damian Müller (FDP/LU), die die Gesundheitskommissionen des Parlaments präsidieren. Die GST hatte diesen Anlass initiiert und in der Planungsphase geleitet und koordiniert.
GST-Präsident Roberto Mossi und GST-Geschäftsführer Daniel Gerber sprechen im Interview über die Aktion und die kommenden Schritte.
Am 21. Februar rief die GST zusammen mit vier weiteren Berufsverbänden aus der Medizinalbranche zu einem Weckruf auf den Bundesplatz. Die fünf Verbände haben der Politik acht konkrete Forderungen übergeben. Wie beurteilen Sie den Anlass?
Daniel Gerber: Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden. Ziel war es, die Gesellschaft und die Politik für unsere Anliegen zu sensibilisieren. Mit der umfassenden Medienpräsenz und der Anwesenheit von Ständerat Damian Müller und Nationalrätin Barbara Gysi, welche die Gesundheitskommissionen des Parlaments präsidieren, und des Generalsekretariats des Eidgenössischen Departements des Innern sowie der Direktionen des Bundesamts für Gesundheit und des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen scheint mir, dass unsere Botschaft gut ankam.
Roberto Mossi: Ich bin sehr zufrieden damit, dass die fünf Medizinalverbände zusammen auf dem Bundesplatz waren. Sehr wichtig ist aber auch die Arbeit, die im Vorfeld geleistet wurde. Es ist das erste Mal, dass sich die fünf Verbände in enger Zusammenarbeit auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt haben.
Ständerat Damian Müller hat auf dem Bundesplatz erklärt, die Forderungen würden nicht in der Schublade verschwinden, gleichzeitig warnte Nationalrätin Barbara Gysi, Veränderungen beanspruchten Zeit. Was sind die Erwartungen der GST an die Politik?
Mossi: Uns ist bewusst, dass politische Prozesse Zeit in Anspruch nehmen. Wichtig ist, dass die Botschaft am richtigen Ort angekommen ist und wahrgenommen wurde.
Gerber: Wir haben nun erstmals gemeinsam klare Forderungen vorgebracht, und diese sollen Resonanz haben und verbindlich sein.
Welche Forderungen haben für die GST Priorität?
Gerber: Unser Hauptanliegen ist die Erhöhung der Anzahl diplomierter Tierärztinnen und Tierärzte, die in der Schweiz gemäss dem Bedürfnis der tierärztlichen Praxis ausgebildet werden.
Mossi: Zudem ist uns wichtig, dass die Zulassungsbedingungen zum Studium überprüft werden.
Der Numerus Clausus (NC) wird oft kritisiert. Die beruflichen Anforderungen würden zu wenig miteinbezogen. Wo möchten Sie hier ansetzen?
Mossi: Numerus Clausus bedeutet eine beschränkte Anzahl von Studienplätzen. Als ich studiert habe, gab es keinen NC. Aber nach dem ersten Studienjahr schafften nur so viele die Prüfung, wie es Plätze gab. Das kann auch keine Lösung sein. Wir möchten nun die Zulassungsbedingungen überprüfen lassen: werden die richtigen Kriterien angewandt? Wir unterstützen die Überprüfung, wissen heute aber nicht, was eine gute Lösung sein wird.
Wie realistisch schätzen Sie es ein, dass die Zahl der Studienplätze in der Schweiz erhöht werden kann?
Mossi: Uns geht es vor allem darum, dass wir mehr Diplomierte aus der Schweiz haben. Das kann beispielsweise über geänderte Zulassungsbedingungen erreicht werden.
Gerber: Wichtig ist, dass die Vetsuisse-Fakultät so ausgebaut wird, dass die Qualität der Ausbildung erhalten wird. Dazu muss die Politik Hand bieten, indem sie den Ausbau der Ressourcen und der Infrastruktur ermöglicht.
Könnte ein neuer Standort in der Westschweiz eine Lösung sein?
Gerber: Es ist nicht der Moment, um über Standorte zu diskutieren; nun soll die Vetsuisse-Fakultät ihre Bedürfnisse formulieren, und danach muss die Politik dafür sorgen, dass das Nötige umgesetzt wird. Die GST möchte sich in diesem politischen Prozess stärker einbringen.
Tierärztinnen und Tierärzte in der Praxis finden oft nur mit Mühe neue Mitarbeitende. Sie erhoffen sich rasch Lösungen. Was sagen Sie ihnen?
Gerber: Praxen sollten zeitgemässe Arbeitsbedingungen anbieten und prüfen, ob sie wirtschaftlich gut unterwegs sind. Die GST treibt verschiedene Projekte voran, welche die Tierärzteschaft unterstützen. Stichworte dazu sind Wirtschaftlichkeit, Arbeitsbedingungen, Notfalldienst und Mental Health.
Mossi: Wir möchten erreichen, dass die Leute im Beruf bleiben.
Fachkräfte aus dem Ausland tragen einerseits dazu bei, den Fachkräftemangel zu lindern. Andererseits können sie sich negativ auf das Qualitätsniveau auswirken. Wie beurteilen Sie dies?
Mossi: Personal aus dem Ausland, dessen Diplom mit der Äquivalenz anerkannt wird, hat eine Grundausbildung mit anderen Rahmenbedingungen beziehungsweise andere gesetzliche Vorgaben gehabt als in der Schweiz ausgebildete Tierärztinnen und Tierärzte. Sie müssen dies nicht nachholen, und das kann ein Problem für die Qualität sein. Wir haben diesen Punkt deshalb auch in den Forderungskatalog aufgenommen.
Was unternimmt die GST nun konkret?
Mossi: Die GST hat unter Einbezug der relevanten Partner im Veterinärbereich eine Steuerungsgruppe gegründet, die das weitere Vorgehen strategisch, zeitlich und inhaltlich koordinieren soll. In der Gruppe sind die Spitzen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, der Vetsuisse-Fakultät, der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte, der Tierärztlichen Vereinigung für Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit und Tierschutz, der GST und der GST-Regionalsektionen Bern und Zürich vertreten. Die beiden Sektionen vertreten die Standortkantone der Vetsuisse-Fakultät.
Gerber: Die Steuerungsgruppe fokussiert unter anderem auf die Forderungen aus unserem Forderungskatalog, welche eine politische Unterstützung benötigen. Ergänzend kümmert sich die GST ihrerseits um Anliegen, die keine politische Unterstützung erfordern, wie bessere Arbeitsbedingungen.
Hier gibt es weitere Informationen und Videos der Aktion auf dem Bundesplatz.
Die acht Forderungen der fünf Berufsverbände
Der gemeinsame Forderungskatalog der fünf Berufsverbände aus dem Medizinalbereich umfasst folgende acht Punkte:
Aus- und Weiterbildung:
- Substanzielle Erhöhung der Anzahl Studienplätze in der Schweiz für alle medizinischen Fachrichtungen.
- Überprüfung der Zulassungsbedingungen zu den medizinischen Studien.
- Sicherstellung der Qualität der berufsspezifischen Aus- und Weiterbildung aller in der Schweiz tätigen medizinischen Fachpersonen (Bundesverfassung, Art. 61a).
Rahmenbedingungen für die Berufsausübung:
- Schaffung und Sicherstellung zeitgemässer Arbeitsbedingungen zur Erhaltung der medizinischen Fachpersonen im Beruf.
- Substanzielle Reduktion der administrativen Auflagen.
- Förderung und finanzielle Unterstützung der Digitalisierung, der digitalen Transformation sowie der Initial- und Betriebsaufwände im Gesundheitswesen.
Zulassung und Versorgungsqualität:
- Nationale – respektive überkantonale – Vereinheitlichung der Bedingungen zur Berufsausübung.
- Schaffung von Anreizsystemen zur Gewährleistung von ausreichend Arbeitsplätzen in Randregionen zur Sicherstellung der Versorgung aller medizinischen Dienstleistungen.