Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 166, Heft 4,
April 2024
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 04 April 2024  
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Verbandsnachrichten

Selbst etwas machen können!

Annik Steiner

Möglichst viele praktische Tätigkeiten, eine klare Ansprechperson und ein gutes Team: Das wünschen sich Studierende von den externen Praktika. Eine grosse Sorge beim Berufseinstieg ist die fehlende Berufspraxis.

Über die Generation Z kursieren viele Klischees. Doch welche Anliegen und Erwartungen an die Arbeitswelt hat die junge Tierärzteschaft wirklich? Die GST wollte es genau wissen und hat Studierende der Vetsuisse-Fakultät Bern und Zürich sowie Berufseinsteigende befragt. In einer zwei­teiligen Serie im Schweizer Archiv für Tierheilkunde stellen wir die wichtigsten Ergebnisse vor.

Die Befragung wurde im Mai und Juni 2023 durchgeführt. Insgesamt nahmen 308 Studierende sowie 214 Tierärztinnen und Tierärzte aus den ersten fünf Berufsjahren (Berufseinsteigende) an der Befragung teil. Die Studierenden waren im Durchschnitt 23 Jahre alt, die Berufseinsteigenden 29 Jahre. Bei beiden Gruppen waren rund 90% der Teilnehmenden weiblich.

Die Betreuungsperson spielt eine wichtige Rolle

In den externen Praktika während des Studiums möchten die Studierenden möglichst viele praktische Kenntnisse erwerben. Auch ein gutes Team beurteilten mehr als 90% der Teilnehmenden der Befragung als wichtig oder sehr wichtig. «Ich wünsche mir insbesondere ein nettes Umfeld, die Bereitschaft der Mitarbeitenden, uns Studentinnen und Studenten Dinge zu zeigen sowie die Möglichkeit, viel selber zu üben», fasste eine Person zusammen.

Eine zentrale Bedeutung hat zudem die Betreuungsperson während des Praktikums. So wünschen sich die Studierenden eine klare Ansprechperson, konstruktives Feedback, die Geduld, Fragen zu beantworten, und die Motivation, Wissen weiterzugeben. Auch eine Klärung der Aufgaben und der gegenseitigen Erwartungen zu Beginn des Praktikums ist hilfreich: «Mir sind klar definierte Lernziele wichtig - damit man möglichst viel vom Praktikum profitieren kann».

Die Studierenden sehen den Praktika zwar mehrheitlich gelassen entgegen, jedoch stimmten jeweils auch mehr als 50% der Aussage zu, bestimmte Befürchtungen in Bezug auf die Praktika zu haben. Die grösste Sorge ist dabei, nur zuschauen zu können: «Wenn man sich als Student/in überflüssig fühlt im Praktikum, nimmt das jegliche Freude am Lernen», hielt eine Person in der Umfrage fest. Mehr als 50% befürchten zudem, zu wenig Unterstützung zu erhalten oder ihren Nebenjob nicht mehr ausführen zu können.

Die Praktika mehrheitlich positiv erlebt

Die Einschätzung der Kriterien durch die Studierenden war praktisch deckungsgleich mit jener der Berufseinsteigenden, was sie rückblickend bezüglich der Praktika als wichtig bezeichnen würden.

90% der Berufseinsteigenden gaben dabei an, die Praktika mehrheitlich positiv erlebt zu haben. Etwas weniger hoch war die Zustimmung, gut auf den Berufseinstieg vorbereitet worden zu sein. Zirka 35% stimmten der Aussage zu, sie hätten in den Praktika praktisch nichts selber machen dürfen. Eine berufseinsteigende Person gab dabei zu bedenken: «Oft muss man sehr viel Eigeninitiative mitbringen, damit man etwas von den Praktika hat. Im Studium ist man vielleicht noch schüchtern, was manchmal fälschlicherweise als Desinteresse eingeschätzt wird.»

Jeweils um die 20% der Berufseinsteigenden sagten, sie hätten in den Praktika eher zu wenig Unterstützung ­erhalten oder seien als billige Arbeitskraft ausgenutzt ­worden.

Berufseinstieg: Fehlende Praxis und hohe Arbeitsbelastung

In Bezug auf den Berufseinstieg gaben zwar 60% der Berufseinsteigenden an, diesen eher positiv erlebt zu haben. 81% stimmten aber auch der Aussage eher zu oder völlig zu, sie hätten nach dem Studium zu wenig praktische Erfahrung für den Berufseinstieg gehabt. Mehr als 80% erleben die Arbeitsbelastung im Beruf als sehr hoch. Eine Person wies auf die Wichtigkeit der Burnout-Prävention hin: «Am Anfang ist man so glücklich Tierarzt zu sein, dass man mehr gibt als man zu geben hat».

Der zweite Teil der Artikelserie dreht sich um die Anliegen der Studierenden und Berufseinsteigenden bezüglich ihrer Berufstätigkeit und ihre Wünsche an die GST. Er erscheint in einer der nächsten SAT-Ausgaben.

Tauschen Sie sich mit der jungen Generation aus!

Schweizerische Tierärztetage in Basel
Generation Z: Zielstrebig… und sehr gut einsetZbar!
Freitag, 26. April 2024, 9.30 bis 10.00 Uhr, im GST-Track:
Wir diskutieren mit Ihnen die wichtigsten Resultate der GST-Umfrage zu den Anliegen der jungen Tierärzteschaft. Vertreterinnen und Vertreter der neuen youngVets-Kommission der GST sind mit dabei und beantworten Ihre Fragen an die junge Generation!

 
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