Mitglieder-Bereich

Sie sind nicht angemeldet

Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 163, Heft 3,
März 2021
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 03 März 2021  
SAT archive search
Extended search

Vet-Info

Kastrations-Aktionstag

Tierärztinnen und Tierärzte gegen das Katzenelend

Am 30. Januar 2021 verwandelten sich die Räumlichkeiten der Covetrus/­Provet AG schon zum zweiten Mal in eine grosse Tierarztpraxis.

Es ist früh am Samstagmorgen, draussen ist es noch dunkel und schon herrscht reges Treiben bei Covetrus in Lyssach. 78 Katzen warten in den Transportboxen auf ihren Untersuch und die Kastration. Ab und zu hört man ein leises Miauen, ansonsten ist es ruhig, die meisten Katzen sind entspannt. Dafür sorgen auch ein paar Wohlfühlklänge und -pheromone. Die Katzen wurden am Vortag in verschiedenen Regionen des Kantons Berns von Freiwilligen eingefangen. Ein Grossteil der Samtpfoten stammt von Landwirtschaftsbetrieben, andere haben ihr Revier in Schrebergärten oder Wohnquartieren. Ihnen allen ist gemein, dass sie unkastriert sind und noch nie bei einem Tierarzt oder einer Tierärztin auf dem Tisch lagen. Das soll sich heute ändern.

Aktion trotz Corona-Situation ­bewilligt

Ein Team von 25 Leuten ist im Einsatz. Alle tragen Masken und halten Abstand. Hygiene ist an solchen Tagen ohnehin immer oberstes Gebot, deshalb enthält das Schutzkonzept, welches vorab allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zugestellt wurde, keine grossen Überraschungen. Dennoch wird die Corona-­Situation von den Organisatoren und Teilnehmenden sehr ernst genommen. Dass der Kanton den Anlass bewilligt hat, ist für die Tiere wichtig. Nicht auszudenken, wenn all diese Katzen im Frühjahr Nachwuchs bekämen.

Dr. Susanna Käppeli, Dr. Mirella Pirovino, Dr. Lisa Goldinger und Dr. Julie Schwechler sind hochmotiviert. Die vier Tierärztinnen sind immer wieder für NetAP im Einsatz und haben schon in Turnhallen, Zivilschutzkellern und Bauernstuben kastriert. Die professionelle Ausrüstung der Tierschutzorganisation lässt das Arbeiten fast überall zu, sofern es trocken, sauber und warm ist und die Räumlichkeiten über Wasser und Elektrizität verfügen. Im Schulungssaal von Covetrus sind die Bedingungen für einmal aber schon fast luxuriös, denn mit höhenverstellbaren Operationstischen und Operationslampen kann man im Tierschutz an der Front normalerweise nicht rechnen.

Perfektes Team aus Tierärztinnen und TPA

Jede der Tierärztinnen wird von zwei Assistentinnen unterstützt. Die TPA sind ebenfalls regelmässig bei NetAP-Einsätzen anzutreffen und wissen genau, was zu tun ist. Die Tierärztinnen können sich somit voll auf das Untersuchen und Operieren konzentrieren. Heute arbeiten auch zwei Tierärztinnen und ein Tierarzt als TPA und die Rolle als Assistenten scheint ihnen sichtlich Spass zu machen. Eine davon ist Fabienne von Burg von Covetrus: «Es ist toll, wieder einmal direkt beim Tier zu arbeiten», hält sie fest. «Eingebettet in ein solch erfahrenes Team, macht es doppelt Freude», ergänzt die Tierärztin, die sich sonst vor allem mit der Organisation von Fortbildungs-Seminaren beschäftigt.

Die Idee, NetAP die Räumlichkeiten und insbesondere den Schulungssaal für Kastrationstage zur Verfügung zu stellen, entstand genau an einem solchen Seminar. Als Covetrus zusammen mit NetAP Schulungen für minimalinvasive Kastrationsmethoden an Hündinnen durchführte, wurde klar: Was für die Kastration von Hunden recht ist, kann auch für die Kastration von Katzen nicht falsch sein. Weil das Katzenelend in der Schweiz immer grösser wird und der Bedarf an Kastrationen wächst, war es für das Unternehmen Ehrensache, einen Beitrag zu leisten und die Räumlichkeiten kostenlos für diese Aktion zur Verfügung zu stellen. Und nicht nur das: Natalie Rosenfeld, die sich sonst vor allem dem Praxisbedarf ihrer Kunden widmet, erklärte sich sofort bereit, sich an den Herd zu stellen und die Einsatzkräfte zu bekochen – fast luxuriöse Zustände für Katze und Mensch an diesem Kastrationstag!

Ehrenamtliche Arbeit von Tierärztinnen und Tierärzten

Damit solche Aktionstage durchgeführt werden können, braucht es nebst den Räumlichkeiten vor allem auch die ehrenamtliche Arbeit von Tierärztinnen und Tierärzten, von TPA, von geschulten Helfern und natürlich auch Fängern und Fahrern, ohne welche die 78 Patienten an diesem Tag nicht rechtzeitig bereitstehen würden. Logistisch ist jeder Einsatztag eine grosse Herausforderung. Nichts darf für einen reibungslosen Ablauf vergessen gehen. Trotz der grossen Anzahl an Tieren wird bei der Qualität keinen Kompromiss eingegangen. Vom Einfangen bis zur Freilassung wird jedes einzelne Tier sorgfältig untersucht, betreut und behandelt. Jedes bekommt zusätzlich zur Kastration noch Nebenleistungen, wie zum Beispiel die Behandlung gegen innere und äussere Parasiten, eine Impfung und wenn nötig weitere medizinische Behandlungen.

Die Stimmung unter den Einsatzkräften ist sehr gut. Die meisten Katzen sind glücklicherweise in einem guten Allgemeinzustand und die Kastration dauert jeweils nur wenige Minuten. Dennoch gibt es immer wieder zusätzliche Eingriffe, die nötig sind, damit die Katzen gesund in eine bessere Zukunft entlassen werden können. So zieht Dr. Mirella Pirovino bei einer Katze gerade einige Zähne, Dr. Susanna Käppeli amputiert den teilweise schon abgestorbenen Schwanz eines Katers und Dr. Lisa Goldinger widmet sich den Ohren eines weissen Katers, dessen Ohrmuscheln unter einem fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom leiden. Alle Eingriffe gelingen reibungslos und die Katzen dürfen anschliessend in der Recovery ihre Narkose in Ruhe ausschlafen. Ihre Körpertemperatur und Atmung wird weiter überwacht und eine warme Infusion regt den Kreislauf an.

Am Abend sind alle Patienten wieder wach und bekommen eine erste Portion Aufbaufutter. Die Boxen werden kontrolliert, saugfähige Unterlagen bei Bedarf ausgewechselt und Wärmeflaschen entfernt. Über Nacht bleiben die Katzen in Lyssach, bis auf vier Kandidaten, die zur weiteren Überwachung mitgenommen werden. Alle andern bekommen am Sonntagmorgen nochmals Frühstück und saubere Boxen und werden im Laufe des Tages wieder in ihre angestammten Reviere zurückgebracht.

Alle sind mit dem Einsatz sehr zufrieden und freuen sich bereits auf den nächsten Einsatz mit NetAP in Bern.

Oft sind neben der Kastration zusätzliche Eingriffe nötig sind, damit die Katzen gesund in eine bessere Zukunft entlassen werden können.
Im Schulungssaal von Covetrus sind die ­Bedingungen für einmal schon fast luxuriös. Mit höhenverstellbaren ­Operationstischen und Operationslampen kann man im Tierschutz an der Front normalerweise nicht rechnen.
78 Katzen werden an diesem Tag kastriert.

Gesucht: Erfahrene Tierärztinnen, Tierärzte und TPA

Erfahrene Tierärztinnen und Tierärzte und TPA, die sich gegen das Katzen­elend in der Schweiz einsetzen und an Kastrationstagen mitwirken möchten, wenden sich bitte direkt an info@netap.ch für weitere Informationen.

Berner Tierschutzpreis für NetAP

Für das Engagement gegen das Katzenelend im Kanton Bern hat NetAP ­kürzlich den Berner Tierschutzpreis gewonnen. Die GST gratuliert NetAP herzlich zu dieser verdienten Anerkennung!

Text: Esther Geisser (Präsidentin und Gründerin NetAP)
Bilder: NetAP

 
TYPO3 Agentur