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Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 161, Heft 11,
November 2019
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 04 November 2019  
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TPA-Meinungsumfrage 2019

Frisch diplomierte TPA über ihre ­Ausbildung und berufliche Zukunft

Der Vorstand der OdA TPA (Organisation der Arbeitswelt der TPA) befragt jährlich die Absolventinnen und Absolventen des Qualifikationsverfahrens für Tiermedizinische Praxisassistentinnen (TPA). Ziel ist es, mehr darüber zu ­erfahren, welche Eindrücke die Lernenden während der Ausbildung sammeln, welche Wünsche sie für ihr weiteres Berufsleben haben und wie die Lehr­abgängerinnen und Lehrabgänger ihre berufliche Zukunft planen.

Dieses Jahr konnte die Umfrage erstmals online ausgefüllt werden. Bei den drei Deutschschweizer Berufsschulen gingen 129 Antworten ein, bei den französischsprachigen AbgängerInnen waren es 45 und im Tessin acht. 2019 haben insgesamt 196 Lernende das Qualifikationsverfahren absolviert, davon haben 184 Teilnehmende die Prüfung bestanden. Somit hat die Umfrage eine recht hohe Beteiligung erreicht – es sind aber nicht immer alle Fragen beantwortet worden, daher entsteht nicht durchgehend ein repräsentatives Bild. Interessante Erkenntnisse und Details aus den Antworten sind nachfolgend zusammengefasst.

Kleintierpraxen sind beliebte ­Ausbildungsbetriebe

Der Anteil der Praxen, in denen hauptsächlich eine Tierärztin oder ein Tierarzt für die Ausbildung zuständig ist, beträgt in der Romandie und im Tessin rund 40%, in der Deutschschweiz sind es mit 32% etwas weniger. Eine Mehrheit der Absolventinnen machte eine Lehre in einer Kleintierpraxis (Tabelle 1). Die Befragten gaben zudem an, dass rund 25% der Berufsbildner in der Deutschschweiz und der Romandie über einen Berufsbildnerkurs verfügen. Die OdA TPA plant, im Rahmen der Einführung des neuen Bildungsplanes die Betriebe darauf aufmerksam zu machen, dass zukünftig eine ­diplomierte TPA mit ausreichend Erfahrung für die ­Ausbildung verantwortlich sein muss.

Die Mehrheit der befragten Lernenden fühlte sich in ihrem Ausbildungsbetrieb gut bis sehr gut unterstützt (Tabelle 2). Dennoch gibt mehr als ein Drittel an, nur genügend oder gar ungenügend unterstützt worden zu sein – ein Wert, der noch verbessert werden kann.

Bei der Frage, welche Tätigkeiten am wenigsten gut geübt werden konnten, wurden vor allem Labor, Intubation, Anlegen von Verbänden und das Kontrollieren von Vitalzeichen erwähnt. Was hingegen häufiger gut bis sehr gut trainiert werden konnte waren Röntgen, Narkosevorbereitung, Blutentnahme und Venen-Katheter stecken.

Zukunft der Lehrabgänger und ­Lehrabgängerinnen

In der Deutschschweiz und der Romandie gaben rund 80% der Absolventen an, kein Interesse an der Erlangung einer Berufsmatura zu haben. Im Tessin hingegen waren es fünf von neun, die eine Berufsmatur zum Ziel erklärten. Auf die Frage, was die frischdiplomierten TPA für unmittelbare Zukunftspläne haben, erwähnten ­
viele, dass sie im Lehrbetrieb weiterarbeiten (Tabelle 3).

Besonderes Augenmerk gilt den rund 10% Lehrabgängern, welche eine andere Berufsrichtung einschlagen. Als Gründe für den Berufswechsel wurde an erster Stelle eine Fort- oder Weiterbildung (55%) genannt, gefolgt von mangelnder Wertschätzung (30%), dem (zu) tiefen Lohn (9%) und den unregelmässigen Arbeitszeiten (6%). In der Deutschschweiz und im Tessin interessierten sich fast 60% für eine Spezialisierung, in der ­Romandie waren es sogar 80%. Die gefragtesten Weiterbildungsmöglichkeiten waren Anästhesie (VAT), Dentalassistentin, Physiotherapie und der Berufsbild­nerkurs.

Engagement für die Zukunft des ­Berufs

Das Interesse an anerkannten Spezialisierungen im TPA-Bereich ist gross und das neue Gremium für strukturierte Weiterbildungen (WTPA) scheint mit den ­Diplomlehrgängen Dentalhygiene und Labor auf dem richtigen Weg zu sein. Weitere Kurse sind in Planung.

Der Vergleich zur Umfrage im Vorjahr zeigt, dass die Ergebnisse im letzten Jahr ähnlich ausfielen – es gab in diesem Jahr keine grossen Veränderungen. Viele Praktiker stellen fest, dass kaum TPA auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Woran liegt das? Das kann diese Umfrage nicht beantworten. Auch wenn der Lohn als Kriterium zum Berufswechsel erwähnt wurde, dürfte doch die Wertschätzung an der Arbeitsstelle entscheidender sein. Die Tierärzteschaft ist gefordert, auch den TPA-Beruf attraktiv zu gestalten und weiterzuentwickeln.

Tabelle 1: Prozentuale Verteilung der verschiedenen Betriebe, in denen die Lehre absolviert wurde.
Tabelle 2: Bewertung der Unterstützung durch den Lehrbetrieb in Prozent der Lernenden.
Tabelle 3: Prozentuale Angaben zur beruflichen Zukunft der diplomierten TPA.
Die Tierärzteschaft ist gefordert, den TPA-Beruf attraktiv zu gestalten und weiterzuentwickeln.

Autorinnen:
med. vet. Irene Keller, Vorstandsmitglied OdA TPA
Claudia Herren, Geschäftsstelle GST, Administration Vorstand OdA TPA

 
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