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Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 161, Heft 7,
Juli 2019
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 01 Juli 2019  
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Vet-Info

Wie Tierärztinnen und Tierärzte ­Menschenleben retten

www.vsf-suisse.org
info@vsf-suisse.org

Letzten Sommer wurde die Schweiz durch extreme Trockenheit für mehrere Monate in einen Ausnahmezustand versetzt – dies hatte besonders für ­Bäuerinnen und Bauern und deren Tiere schwerwiegende Folgen. Am Horn von Afrika leidet die Bevölkerung seit Jahren unter noch gravierenderen ­Dürreperioden. Solche Katastrophen können die Menschen aber unter ­anderem dank tierärztlichen Notfallmassnahmen meistern.

Letzten Sommer gab es in der Schweiz nur ein Thema – die Trockenheit. Beinahe jeden Tag berichteten die Medien von neuen Rekorden und Extremwerten. Ganze Seen und Flüsse trockneten aus und zigtausende Fische starben. Dies stellte viele Bäuerinnen und Bauern vor ein grundlegendes Problem: die Tränkung und Fütterung ihrer Nutztiere. So kam es, dass die Armee per Helikopter Wasser in die Alpen flog, um dort das Vieh vor dem Verdursten zu bewahren. Zur Fütterung der Tiere wurden Wintervorräte vorzeitg verbraucht oder Futter aus dem Ausland importiert. Manche Viehbäuerinnen und Viehbauern sahen sich zu noch drastischeren Massnahmen gezwungen: Sie entschieden sich einen Teil ihrer Herde zu schlachten, denn alle Tiere durchzufüttern wäre zu teuer gewesen. Somit wurden im Sommer 2018 drei Mal mehr Tiere geschlachtet als erwartet und aufgrund des Überangebots fiel der Schlachtpreis von Kühen um mehr als einen Franken pro Kilo – für die Produzenten ein erheblicher Verlust.

Leserinnen und Leser unserer Beiträge wissen, wie sehr diese Massnahmen der Arbeit von VSF-Suisse am Horn von Afrika ähneln. Wir bekämpfen dort auf dieselbe Weise die Schäden und Auswirkungen von Trocken- und Dürreperioden.

Dieselben Massnahmen am Horn von Afrika wie in der Schweiz

Als 2015 in Äthiopien, Kenia und Somalia die Regenzeiten viel zu kurz oder gar ganz ausfielen, half VSF-­Suisse in diesen Ländern Menschen und deren Nutztieren die Dürre zu überleben. Wir beschafften unter anderem Trinkwasser und Futter und halfen, diejenigen Ziegen, Schafe und Kühe zu schlachten, welche die Dürre nicht überstehen würden. Durch die Reduzierung der Herdenbestände konnten die Kosten von zusätzlicher Fütterung und Tränkung minimiert werden – genau wie letzten Sommer in der Schweiz. Diese Notfallmassnahmen sichern zwar häufig das Über­leben der Viehhalter und ihren Herden, stellen jedoch keine nachhaltige Lösung für die Probleme der Dürre dar. Denn wegen des Klimawandels lässt der Druck am Horn von Afrika nicht nach: die Dürren werden häufiger und stärker.

Tierärzte müssen her

Auch in den darauffolgenden Jahren blieb der Regen an manchen Orten am Horn von Afrika aus. Dadurch blieb den Viehzüchtern, von denen viele noch von der vorherigen Dürre geschwächt waren, keine Möglichkeit, sich von der Dürre zu erholen und ihre Herden wiederaufzubauen. Die zunehmend abgemagerten Nutztiere gaben weniger Milch und Fleisch und wurden krankheitsanfälliger. Es bestand die Gefahr, bereits reduzierte Herden an Tierkrankheiten wie Pocken, Contagious Bovine Pleuropneumonia (CBPP), Contagious Caprine Pleuropneumonia (CCPP) oder Peste des ­petits ruminants (PPR) zu verlieren. Massnahmen, wie das Bereitstellen von Wasser und Futter oder Bestandsre­duzierungen waren deshalb nicht ausreichend, um die Dürreperiode zu bewältigen. Tierärztliche Behandlung wurde zu einer dringlichen Notwendigkeit. Denn eine kleine, gesunde Herde durch eine Dürreperiode zu bringen, ist für Viehbesitzer besser, als eine grosse Herde an Krankheiten oder Dehydration zu verlieren. Deshalb sind Tierärztinnen und Tierärzte zu dieser Zeit essen­ziell für das Überleben von Mensch und Tier.

Laientierärztinnen und Laientierärzte retten Nutztiere

Um die steigenden Bedürfnisse nach tierärztlicher Behandlung zu decken, unterstützte VSF-Suisse Apotheken mit Tierarzneimitteln und bildete Laientierärztinnen und Laientierärzte aus. Diese können einfache Diagnosen stellen, Krankheiten behandeln und Präventionsmassnahmen durchführen. So konnten viele Viehhalter Impfungen und Entwurmungen für ihre Nutz­tiere in Anspruch nehmen – insgesamt wurden dank VSF-Suisse am Horn von Afrika von 2015 bis 2017 fast 3.5 Millionen Behandlungen durchgeführt. Dadurch konnten viele Tiere gestärkt und gerettet werden. Dies ermöglichte auch den Viehhaltern, wieder zu Kräften zu kommen. Die betroffene Bevölkerung kann aber trotzdem nicht beruhigt aufatmen, denn im Unterschied zur Schweiz, wo in Zukunft zwar mehr Hitze, nicht aber mehr Trockenheit erwartet wird, wird es am Horn von Afrika vermehrt zu schweren Dürren kommen.

Die Dürren werden sich in Zukunft häufen

Wegen der sich häufenden Dürren konzentrieren wir uns besonders darauf, der Bevölkerung zu helfen, ihre Lebensgrundlagen breiter abgestützt wiederaufzubauen, um sie gegen zukünftige Katastrophen zu wappnen. So stellen wir Wasserstellen wieder her, stärken den Zugang zu Märkten oder führen Schulungen zum Anbau von Futtermittel durch. Ausserdem unterstützen wir die ­lokalen Veterinärdienste in der Verbesserung der Tiergesundheit mit Ausbildungen und Tierarzneimitteln. Dank der Veterinärmedizin kann somit die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung nachhaltig gestärkt werden.

In Extremfällen muss Wasser aus Flüssen in einen Lastwagen gepumpt und dann über hunderte Kilometer in Dürregebiete transportiert werden. Hier ein Wasserlastwagen-Einsatz für VSF-Suisse im Süd­sudan.
Für viele Menschen sind Wasserstellen ein ­Lebensmittelpunkt und Tiere das wichtigste Transportmittel, um überhaupt Wasser zu erhalten. Hier zwei Jungen mit ­ihrem Esel an einer Wasserstelle in Kenia.
Ein Nomade treibt seine Herde zur nächsten Wasserstelle – der Weg dorthin ist während Dürre­zeiten bis zu 60 km oder zwei Tagesmärsche lang.

Text: Marlen Rau, VSF-Suisse
Bilder: © Tom Martin

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