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Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 161, Heft 6,
Juni 2019
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 04 Juni 2019  
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Vet-Info

Therapieleitfaden für den umsichtigen Einsatz von Antibiotika bei Hunden und Katzen

www.star.admin.ch

Im Rahmen der Schweizer Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) wurde zur Förderung des sachgemässen Einsatzes von Antibiotika nun auch ein ­Therapieleitfaden für die wichtigsten bakteriellen Infektionskrankheiten von Hunden und Katzen erarbeitet. Er soll Tierärztinnen und Tierärzten im Alltag bei der Entscheidung helfen, ob bei bestimmten Krankheiten Antibiotika ­angewendet werden müssen und wenn ja, welche.

Im Rahmen der Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) soll mit verschiedenen Massnahmen erreicht werden, dass Antibiotika nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich eingesetzt werden. Ist ein Antibiotikaeinsatz unabdingbar, so ist ein sachgerechter Einsatz wichtig, um der Entstehung von antibiotikaresistenten Keimen vorzubeugen. Dies setzt einen profunden Wissensstand derjenigen Personen voraus, die Antibiotika verschreiben und einsetzen.

Fokus auf prudent use

Richtlinien zum sachgemässen Einsatz von Antibiotika existieren in vielen Ländern. Für die Schweiz hat die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) die Grundprinzipien des sachgemässen Einsatzes in den «Richtlinien zum sorgfältigen Umgang mit Tierarzneimitteln» publiziert und ausführlich beschrieben. Während es in den GST-Richtlinien ganz generell um Tierarzneimittel geht und auch weitere Themen wie Lagerung, Warenfluss etc. behandelt werden, wurde nun das Thema «prudent use» von Antibiotika in Form eines Therapieleitfadens ausführlicher und genauer ausgearbeitet.

Therapieleitfaden für Hunde und Katzen

Nachdem 2017 ein Therapieleitfaden für die wichtigsten bakteriellen Erkrankungen bei Schweinen und Rindern veröffentlicht wurde, kam von Seiten der Kleintiermedizin ebenfalls der Wunsch nach einem umfassenden Therapieleitfaden für Hunde und Katzen. In einer Arbeitsgruppe mit Experten der Vetsuisse-Fakultät und der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK) wurde unter Einbezug weiterer Spezialisten ein solcher Leitfaden erarbeitet. Er beruht auf dem Konsens der beteiligten Experten und wurde durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) koordiniert. Der Therapieleit­faden soll Tierärztinnen und Tierärzten im Alltag bei der Entscheidung helfen, ob bei bestimmten Krankheiten Antibiotika angewendet werden müssen und wenn ja, welche.

Der Leitfaden gibt für die Verschreibung und Anwendung von Antibiotika klare Empfehlungen ab. Der allgemeine Teil des Leitfadens enthält Basisinformationen zu Unklarheiten bei Antibiotika und Antibiotikaresistenzen. So werden beispielsweise Unterschiede in der Anwendung konzentrationsabhängiger und zeitabhängiger Antibiotika, sinnvolle und nicht zweckmässige Antibiotikakombinationen sowie das Thema der Umwidmung in kurzer Form dargestellt.

Im spezifischen Teil werden häufige bakterielle Infek­tionskrankheiten von Hunden und Katzen behandelt.

Für alle Krankheiten werden Hintergrundinformationen wie Ursachen, Risikofaktoren und Schlüsselstellen, kurze Informationen zu den häufigsten Erregern, Möglichkeiten der Diagnostik, die Resistenzlage, Möglichkeiten der Prävention und unterstützende Massnahmen beschrieben. In der Rubrik Therapie werden die empfohlenen antimikrobiellen Wirkstoffe tabellarisch aufgelistet.

Ein wichtiges Anliegen der Autoren des Therapieleit­fadens war es, auch auf nicht sinnvolle Vorgehensweisen oder Therapien hinzuweisen. So wird in den Tabellen bei den verschiedenen Erkrankungen auch auf bestimmte Wirkstoffe hingewiesen, welche aus pharmakokinetischer oder medizinischer Sicht keinen Sinn machen; im Falle von kritischen Antibiotika-Wirkstoffklassen (in der Schweiz definiert als Cephalosporine 3. und 4. Generation, Fluorochinolone und Makrolide) wird darauf hingewiesen, dass diese nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden sollen, sofern andere Wirkstoffe als First-Line-Therapie nicht in Frage kommen. Im «Antibiotika Scout» (www.AntibioticScout.ch) wurden die Empfehlungen des Leitfadens eins zu eins übernommen.

Wir hoffen, dass der Therapieleitfaden die Kleintierärzte bei einem umsichtigen Einsatz von Antibiotika unterstützt und freuen uns über Anregungen, Ergänzungen oder kritische Rückmeldungen über folgende E-Mail-Adresse: therapieleitfaden@blv.admin.ch.

Kontakt

Dagmar Heim, PD Dr med. vet.
Leitung Fachbereich Tierarzneimittel + Antibiotika
Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und
Veterinärwesen BLV
Abteilung Tiergesundheit
EMail: dagmar.heim@blv.admin.ch

Nach dem Therapie­leitfaden für Rinder und Schweine gibt es neu auch eine Entscheidungshilfe für die Therapie bei Hunden und Katzen. Die Leitfäden für Tierärztinnen und Tierärzte entstanden im Rahmen von StAR unter der Leitung des BLV in Zusammen­arbeit mit den Vetsuisse-Fakultäten, der GST und Praktikern der SVW, SVSM und SVK.

Downloads

Dank

Das BLV und die GST bedanken sich bei allen Experten der Arbeitsgruppe für die zeitintensiven Arbeiten am Therapieleitfaden für Hunde und Katzen. Ein spezielles Dankeschön geht an Prof. Dr. Simone Schuller, PD Dr. med. vet. PhD Barbara Willi und Dr. med. vet. Stefan Schellenberg.

 
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