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Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 160, Heft 12,
Dezember 2018
 
Thema Fortpflanzungsmedizin – Prof. Dr. Rico Thun gewidmet  
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 03 Dezember 2018  
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Vet-Info

Informationssystem Antibiotika in der Veterinärmedizin – Ein Aufwand, der sich lohnt

www.blv.admin.ch/isabv

Die Tierärztinnen und Tierärzte in der Schweiz müssen künftig ihre Antibio­tikaverschreibungen in einer Datenbank erfassen. Per 1.1.2019 wird die Daten­erfassung für antibiotische Gruppentherapien in der Nutztiermedizin obligatorisch. Ab dem 1.10.2019 müssen schliesslich sämtliche Verschreibungen von Antibiotika, auch in der Kleintiermedizin, aufgezeichnet werden. Wozu dient dieser Aufwand?

Hintergrund

Der Vertrieb von Antibiotika in der Tiermedizin hat in den letzten Jahren abgenommen. Eine erfreuliche Tatsache, jedoch mit beschränkter Aussagekraft. So weiss man beispielsweise nicht, bei welchen Tierarten oder Indikationen am meisten Antibiotika eingesetzt werden. Während bis anhin lediglich die Vertriebsdaten erhoben wurden, sollen dank der Erfassung der Verschreibungsdaten im IS ABV (Informationssystem Antibiotika in der Veterinärmedizin) wichtige Faktoren für die Beurteilung der Resistenzentwicklung gegen Antibiotika ermittelt werden können.

Um der Resistenzentwicklung vorbeugen zu können, geht es nicht in erster Linie darum, die total vertriebene Menge von Antibiotika zu reduzieren, sondern die Antibiotika sachgemäss anzuwenden. Als Teil der Nationalen Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) liefert IS ABV dazu wichtige Daten.

Nutzen und Pflichten

  • Ab 1.1.2019 wird die Erfassung der Antibiotika-Verschreibungsdaten für Gruppentherapien obligatorisch. Die elektronische Erfassung löst das Papier-Rezept für orale Gruppentherapien ab.
  • Ab 1.10.2019 ist die Erfassung für sämtliche Antibiotikaverschreibungen in der Tiermedizin obligatorisch.

Die stufenweise Einführung der Erfassungspflicht soll Praxissoftware-Herstellern die nötige Zeit für die Umsetzung von Schnittstellen geben. Mit der Schnittstelle der Eingabe-Variante 1 können Verschreibungen im Rahmen von Einzeltiertherapien und Vorratsabgaben in der Praxissoftware erfasst und direkt an den IS ABV-Server übermittelt werden. Die Schnittstelle zu der Eingabe-Variante 2 ermöglicht einen Datenaustausch zwischen der Praxissoftware und der lokalen Anwendung IS ABV.

Die Verschreibungsdaten erlauben Rückschlüsse auf die Therapieintensität, die eingesetzten Wirkstoffmengen pro Tierart und Nutzungskategorie und die Behandlungsgründe. Sind die Daten in IS ABV verfügbar, können Tierhaltende diese der Tierärzteschaft als Grund­lage für die Bestandesbetreuung zur Verfügung stellen. Damit können dann beispielsweise die am häufigsten therapierten Krankheiten in einer Tierhaltung identifiziert werden, um gezielt Lösungen zu erarbeiten. Dank der kontinuierlichen Datenerhebung kann der Erfolg von getroffenen Massnahmen anschliessend überprüft werden.

Die Daten erlauben ausserdem einen schweizweiten Vergleich des Antibiotikaeinsatzes in den Tierhaltungen (Benchmarking). Nutztierhaltende können einfach erkennen, ob die Therapieintensität bei einer Tierkategorie über oder unter dem schweizweiten Durchschnitt liegt. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass dadurch das Bewusstsein und der Wille zur Veränderung gesteigert wird.

Auch sogenannte Risikobetriebe – Tierhaltungen mit den höchsten Therapieintensitäten – können erkannt werden. Diese Tierhaltungen sollen den Bedarf an Antibiotika mit Unterstützung der betreuenden Tierärztin/des betreuenden Tierarztes senken. Somit wird in erster Linie auf die Selbstverantwortung gesetzt. Das Bench­marking wird zu einem späteren Zeitpunkt auch für Tierarztpraxen und -kliniken eingeführt.

Weiter können nationale Auswertungen beispielsweise auch aufzeigen, bei welchen Tierarten und Produktionsformen oder bei welchen Erkrankungen besonders viel Antibiotika eingesetzt werden. Darauf basierend ist es möglich, gezielt Forschungsprojekte zu initiieren und Informationen und Beratung in diesen Bereichen zu intensivieren.

Unterstützende Massnahmen

In Zusammenarbeit mit Tierärztinnen und Tierärzten aus verschiedenen Fachbereichen hat das BLV einen Therapieleitfaden für Nutz- und Kleintiere veröffentlicht. Nebst priorisierten Therapievorschlägen findet man Hinweise für die diagnostische Aufarbeitung der Fälle und nützliche Informationen zu den Krankheitsbildern.

Ausserdem steht der Antibiotika-Scout von Clinipharm frei zur Verfügung. In diesem sind die Empfehlungen der Therapieleitfäden übernommen. Über eine Suchmaske kann entsprechend der Zielspezies und Indika­tion eine Therapieempfehlung abgefragt werden.
(www.antibioticscout.ch).

Jetzt die lokale Anwendung downloaden

Laden Sie jetzt die neue lokale Anwendung IS ABV unter www.blv.admin.ch/isabv-anwendung runter – auch wenn Sie sich bereits am Pilotprojekt beteiligt haben. Eine erneute Registrierung ist für Pilotuser nach der Installation der aktuellen Version nicht mehr nötig.

Weitere Informationen (Anleitungen, Handbücher, FAQ, Erklärvideos) zum IS ABV finden Sie unter www.blv.admin.ch/isabv. Zur persönlichen Unterstützung steht auch ein Supporttelefon zur Verfügung.

Antibiotikagesamt­vertrieb und vertriebene Wirkstoffmenge in Rela­tion zur Populationsbiomasse.

IS ABV Fragen oder Rückmeldungen

isabv@blv.admin.ch

Neuer Telefonsupport vom 1. November 2018 bis 31. Januar 2019:
+41 58 469 08 21


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• Dienstag: 14:00 – 16:30 Uhr
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• Donnerstag: 14:00 – 16:30 Uhr
• Freitag: 09:00 – 11:30 Uhr

Erklärvideos: www.blv.admin.ch/isabv-anwendung

Überblick IS ABV und Eingabevarianten 1 und 2.
Datenerfassung mit Variante 2.
 
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