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Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 160, Heft 5,
Mai 2018
 
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 02 Mai 2018  
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Vet-Info

Die Afrikanische Schweinepest – aktuelle Situation, Prävention und Früherkennung

www.blv.admin.ch

Die Afrikanische Schweinepest (ASP), ursprünglich endemisch in Afrika, breitet sich seit Jahren über den transkaukasischen Raum und Russland immer weiter nach Europa aus und betrifft inzwischen mehrere EU-Länder. Mit dem erstmaligen Nachweis von ASP bei Wildschweinen in Tschechien hat das Virus im Sommer 2017 einen weiteren Sprung nach Westen gemacht.

Die ASP ist eine fieberhafte Viruserkrankung, die Hausund Wildschweine betrifft. Andere Tierarten und der Mensch sind nicht empfänglich. ASP kann in verschiedenen Verlaufsformen von perakut bis chronisch auftreten. Der akute Verlauf ist gekennzeichnet durch anhaltend hohes Fieber und plötzliche Todesfälle. Die Mortalitätsrate kann 100% erreichen. Die Tiere können punkt- oder flächenförmige Blutungen in der Haut (v. a. an Extremitäten und Ohren) (Abbildung 1), Nieren, auf Serosa und in Lymphknoten aufweisen. Die Milz ist oft stark geschwollen und dunkelrot verfärbt und zeigt eine brüchige Konsistenz. Die gastrohepatischen und renalen Lymphknoten können massiv vergrössert sein und eine dunkelrote Farbe aufweisen. Beim chronischen Verlauf ist das klinische Bild von unspezifischen Symptomen geprägt und durch bakterielle Sekundärinfektionen beeinflusst (rezidivierendes Fieber, Aborte, Durchfall, Hautrötungen die sich zu Nekrosen und Ulzerationen entwickeln können, Fressunlust, schlechte Mastleistung, Arthritiden, Husten usw.). Es existiert keine Schutzimpfung gegen das Virus. Die Krankheit wird durch ein DNA-Virus (Familie Asfarviridae, Genus Asfivirus) verursacht, das eine sehr hohe Tenazität aufweist: In Tierkörpern und Fleischprodukten wie Salami oder Schinken bleibt das Virus monatelang infektiös, ebenso in der Umwelt.

Das Virus kann grundsätzlich über verschiedene Wege übertragen werden (Abbildung 2): direkten Tierkontakt, aber auch kontaminierte Kleidung, Gegenstände oder Transportfahrzeuge sowie kontaminierte Lebensmittel (in Afrika auch Zecken). Für die kleinräumige Ausbreitung v.a. innerhalb einer Wildschweinepopulation spielt die Ansteckung über infektiöse Tierkadaver bzw. dadurch kontaminierte Umwelt (z. B. Waldboden, Gras) eine wichtige Rolle. Für die Ausbreitung über grössere Distanzen sind dagegen hauptsächlich menschliche Aktivitäten verantwortlich, wie Tierverkehr oder Verfüttern von Speiseabfällen an Schweine resp. Entsorgen von Speiseresten in der Umwelt. Daher geht auch die grösste Gefahr für eine Einschleppung in die Schweiz gegenwärtig von viruskontaminiertem Schweine- oder Wildschweinefleisch bzw. Erzeugnissen daraus aus, die aus ASP-betroffenen Ländern mitgebracht werden. Werden solche Produkte in der Umwelt entsorgt und von Wildschweinen aufgenommen oder an Hausschweine verfüttert, können diese sich leicht mit dem Virus anstecken.

Prävention

Für die Verhinderung einer Einschleppung der ASP in die Schweiz ist es wichtig, dass Reisende keine Fleischund Wurstwaren aus von ASP betroffenen Ländern mitnehmen. Auch bei Jagdreisen in betroffene Gebiete ist besondere Vorsicht geboten.

Zur Stärkung der Prävention kommt den Bestandestierärzten eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung der Tierhalter und deren Mitarbeiter zu. Sie können die Tierhalter bei der Umsetzung von Biosicherheitsmassnahmen im Schweinebestand unterstützen. Dazu gehört beispielsweise eine Umzäunung von Ausläufen zur Vermeidung von Wildschweinkontakt, die strikte Verwendung einer Hygieneschleuse oder Einhaltung des Verfütterungsverbots von Speiseabfällen.

Früherkennung von ASP

Auch bei der Früherkennung eines allfälligen ASP-Eintrags in einen Schweizer Schweinebestand ist der Bestandestierarzt zentral. Denn hohes Fieber und plötzliche Todesfälle sowie Kümmern, Apathie, Durchfall, Aborte, Einbusse der Mastleistung, gehäufte bakterielle Infektionen mit Tierverlusten sind grundsätzlich schweinepestverdächtig. Ein dringender klinischer Verdacht auf ASP liegt vor, wenn oben genannte Symptome auftreten und Kontakt zu Betrieben oder Wildschweinen mit bestätigter ASP-Infektion bestand, oder ein fulminanter Krankheitsverlauf in einem Schweinebetrieb mit gehäuften akuten Todesfällen auftritt. Bei solchen Symptomen ist umgehend der zuständige Kantonstierarzt zu benachrichtigen und Massnahmen zu treffen, um die Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern. Bei unklaren Bestandesproblemen mit ASP-ähnlicher Symptomatik aber ohne dringenden Seuchenverdacht kann der Bestandestierarzt eine Ausschluss- Untersuchung durchführen lassen. Hierzu nimmt er nach Rücksprache mit dem Institut für Virologie und Immunologie (IVI) Proben und schickt diese zur kostenlosen Untersuchung ein (Ausschluss-Untersuchung: https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tiergesundheit/frueherkennung/ausschlussuntersuchung.html). Zudem besteht die Möglichkeit der Abklärung solcher Fälle mittels pathologischer Untersuchung im Rahmen des BLV-Projektes «PathoPig». Bei einer Ausschluss- Untersuchung müssen keine seuchenpolizeilichen Massnahmen gemäss Tierseuchenverordnung Art. 84 ergriffen werden.

In der Vergangenheit erfolgte der Neueintrag von ASP in ein Land sehr häufig durch menschliche Aktivitäten in die Wildschweinpopulation, da diese schlechter geschützt ist als die stärker abgeschotteten Hausschweinebestände. Hat sich das Virus erst einmal in der Wildschweinepopulation ausgebreitet, ist eine Bekämpfung schwierig. Daher ist die frühzeitige Erkennung einer Ansteckung von Wildschweinen mit ASP wichtig. Deshalb hat das BLV zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und weiteren Experten ein nationales Früherkennungsprogramm für ASP bei Wildschweinen erarbeitet und Ende März 2018 lanciert (vgl. https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tiergesundheit/frueherkennung/asp-wildschwein.html). Ganzjährig sollen sämtliche in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein tot aufgefundenen Wildschweine, Abschüsse infolge unspezifischer Krankheitsanzeichen und im Verkehr verunfallte Wildschweine auf ASP untersucht werden.

Zusammenfassend

Um einem allfälligen Eintrag von ASP rechtzeitig zu erkennen, ist die Mitarbeit der Tierärzteschaft zentral. Seien Sie aufmerksam und nutzen Sie die Instrumente Ausschluss-Untersuchung oder PathoPig bei der Abklärung von unspezifischen Bestandesproblemen! Detaillierte Informationen finden Sie auf www.blv.admin.ch.

Korrespondenz

Dr. Christina Nathues, Dipl. ECVPH
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Früherkennung & Überwachung Tiergesundheit
christina.nathues@blv.admin.ch

Daniela Hadorn Schneider, Dr. med. vet.
Leiterin Fachbereich Früherkennung & Überwachung Tiergesundheit
daniela.hadorn@blv.admin.ch

Eidgenössisches Departement des Innern EDI
Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV
Abteilung Tiergesundheit
Schwarzenburgstrasse 155
3003 Bern
Telefon: +41 58 46 96146
www.blv.admin.ch

An ASP erkranktes Schwein mit flächenförmigen Hautblutungen.
(Mit freundlicher Genehmigung von PD Dr. Sandra Blome, Friedrich-Loeffler- Institut, Greifswald, Deutschland)
Schematische Darstellung der möglichen Übertragungswege von ASP auf Hausund Wildschweine.
© Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)
 
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