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Journal Schweiz Arch Tierheilkd  
Verlag GST  
Heft Band 159, Heft 4,
April 2017
 
Thema Netzwerk Pferdeforschung Schweiz  
ISSN (print) 0036-7281  
ISSN (online) 1664-2848  
online seit 03 April 2017  
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Verbandsnachrichten

Neuer GST-Lehrgang «Fit für die Unternehmensführung»

«Teilnehmende setzen sich mit dem eigenen Unternehmen auseinander»

Benjamin Spycher, Dozent und Studienleiter CAS Leadership an der Berner Fachhochschule (BFH) sagt, wie Tierärztinnen und Tierärzte im Lehrgang «Fit für die Unternehmensführung» die Theorie auf die Praxis übertragen.

Sie haben den Kurs «Fit für die Unternehmensführung» erarbeitet. Wie sind Sie auf die Kursinhalte gekommen?
Wir haben insgesamt 14 Praxen auf dem Land und in der Stadt, Nutztierpraxen und Kleintierpraxen unterschiedlicher Grösse besucht. Wir haben Interviews mit den Tierärztinnen und Tierärzten geführt, um Themen herauszufinden, welche sie aus unternehmerischer Sicht beschäftigen.

Welche Management-Herausforderungen haben Sie dabei erkannt?
Medizinische Ausbildungen sind allgemein sehr fachlich orientiert, Absolvierende kommen aber unter Umständen sehr schnell in eine Führungsposition oder in die Situation, dass sie ein eigenes Unternehmen gründen. Auch auf konkretes Nachfragen hin haben wir festgestellt, dass die Bandbreite bezüglich unternehmerischem Wissen gross ist. Einige Tierärztinnen und Tierärzte wünschten sich mehr Grundwissen. Andere äusserten schlicht den Bedarf, sich Zeit zu nehmen und sich mit der eigenen Praxis auseinanderzusetzen.

Die GST hat diese Kurse auch initiiert, um mögliche Lehrtierärztinnen und Lehrtierärzte auszubilden, welche Studienabgänger beim Berufseinstieg begleiten. Wie begegnen Sie diesem Anliegen in den Kursen?
Die Grundüberlegung des Kurses war, dass Tierärztinnen und Tierärzte ihre eigene Führungsrolle reflektieren, ihren Führungsstil entwickeln und dadurch auch die jungen Tierärztinnen und Tierärzte besser integrieren können.

Was bringt ein guter Chef überhaupt mit?
Er äussert klar seine Erwartungen und kennt auch die Erwartungen seiner Mitarbeiter. Er scheut sich nicht, schwierige Situationen anzusprechen. Und er kann auf veränderte Bedingungen im Unternehmen gelassen reagieren. Was bringt es der Firma oder der Praxis, wenn jemand die besagten Kompetenzen erworben hat? Bei einer hohen Fluktuation nennen Mitarbeitende ihren Vorgesetzten häufig als Grund für den Wechsel. Führungspersonen haben einen grossen Einfluss. Entwickeln sie eine Atmosphäre, in der die Zusammenarbeit Spass macht, ist dies sehr gut spürbar. Jeder Teilnehmende wird sich im Kurs zudem mit dem eigenen Unternehmen auseinandersetzen. Einige haben beispielsweise Schwierigkeiten mit der Personalplanung, andere bei der Organisation der Prozesse. Bei Praxen, die ihre Prozesse klar definiert haben, verläuft vieles reibungsloser. Dazu gehören beispielsweise Handbücher, welche die Abläufe im Operationssaal beschreiben.

Es gibt viele Tierärztinnen und Tierärzte, die nicht in einer Praxis arbeiten. Ist der Lehrgang auch für diese Personen geeignet?
Ja, Führung ist grundsätzlich immer eine Auseinandersetzung mit der eigenen Person. Dazu gehört der Umgang mit sich, aber auch mit anderen. Das Führen von Menschen ist überall gleich – sei es im Labor, in der Verwaltung oder in einer Praxis.

Was lernen Tierärztinnen und Tierärzte, die bereits eine Führungsposition haben?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Tierärztinnen und Tierärzte, die schon einiges an Führungswissen mitbringen und dies auch umsetzen. In jeder individuellen Situation hilft aber, einen Schritt zur Seite zu machen und sich zu überlegen: In welcher Phase befindet sich mein Unternehmen? Wo stehe ich und wo möchte ich hin? Dies ist ein wichtiger Teil des Lehrgangs. Die einen profitieren von der Selbstreflexion, andere von Inputs, die sie im Austausch mit anderen Kursteilnehmern erhalten.

Wie wird die Umsetzung der Theorie in die Praxis geübt?
Die Theorie wird sehr schnell auf die Ebene der eigenen Situation heruntergebrochen. In der Unternehmensführung sprechen wir sicher das «lean management» an. Teilnehmende überlegen sich, welche Prozesse sie in ihrem Unternehmen optimieren und vereinfachen möchten. In der Personalführung üben wir mit Schauspielern schwierige Situationen. Dies hilft, in Gesprächen souveräner zu werden. Wir schauen neue Erkenntnisse aus dem Führungswissen an und Teilnehmende machen sich Gedanken über ihren Führungsstil. Wir besprechen aber auch den Umgang mit Notfalldiensten.

Welche konkreten Hilfestellungen für die Praxis bietet der Kurs?
Dazu gehören Checklisten oder Leitfäden, beispielsweise für Mitarbeitergespräche. Häufig gibt es aber kein fixes Rezept. Viel wichtiger ist, dass die Tierärztinnen und Tierärzte an ihrer eigenen Situation arbeiten können. So werden sie zum Schluss eigene Leitfäden für bestimmte Bereiche entwickelt haben.

Der Lehrgang dauert neun Tage – warum so lange? Wieso reichen nicht ein paar Abende?
Die Teilnehmenden haben so eine Ausbildung, bei der sie in grossem Umfang etwas lernen. Die Zeitspanne von fast einem Jahr soll ermöglichen, das Gelernte zwischen den einzelnen Modulen gleich anzuwenden.

Welche Kompetenzen bringt die Berner Fachhochschule (BFH) mit, um Tierärztinnen und Tierärzte ausbilden zu können?
Ich habe Tierärztinnen und Tierärzte als Personen kennen gelernt, die fachlich eine hohe Ausbildung haben und praktisch denken. Als Fachhochschule haben wir hier einen guten Hintergrund, weil wir in allen Ausbildungen davon ausgehen, dass das Gelernte direkt anwendbar sein muss. Im Fachbereich Wirtschaft haben wir zudem viele Kunden aus dem medizinischen Bereich, wo wir ebenfalls Führungsausbildungen machen.

Was erwarten Sie persönlich von diesem Lehrgang?
Dass nach neun Kurstagen jeder Teilnehmende seinen Verantwortungsbereich, sei es Unternehmen, Abteilung oder Labor, weitergebracht hat.

Benjamin Spycher vor der Berner Fachhochschule, welche den Lehrgang «Fit für die Unternehmensführung » im Auftrag der GST entwickelt hat. Der erste Kurs startet im August 2017.

Zur Person

Benjamin Spycher ist ursprünglich Gymnasiallehrer und hat Geschichte und Germanistik sowie angewandte Kommunikationswissenschaften studiert. Als Fachoffizier im Militär bildet er Offiziere in der Kommunikation aus und entwickelt entsprechende Kurse. An der Berner Fachhochschule (BFH) unterrichtet er Kommunikation und leitet seit 2013 den Studiengang CAS Leadership. In dieser Funktion entwickelt er auch Führungskräftetrainings für Firmen und Organisationen und ist als Dozent unter anderem in Führungskursen für die Insel Gruppe sowie für einen deutschen Klinikbetrieb tätig.

Neuer GST-Lehrgang «Fit für die Unternehmensführung»: Jetzt Anmelden!

Tierärztinnen und Tierärzte in Führungspositionen sind gefordert. Nebst der eigentlichen tierärztlichen Arbeit kommen viele Aufgaben hinzu, welche ebenfalls sehr anspruchsvoll sind. Dies sowohl in der Praxis, in der Industrie, auf dem Amt, in einem Labor, usw. Die Berner Fachhochschule hat im Auftrag der GST den Lehrgang «Fit für die Unternehmensführung » entwickelt. Der Lehrgang startet im August 2017 und dauert neun über ein Jahr verteilte Kurstage.

Mehr Informationen finden Sie im Flyer, welcher dieser SAT-Ausgabe beiliegt oder unter: www.gstsvs.ch/fit

Annik Steiner, Verantwortliche Medien und Kommunikation auf der Geschäftsstelle GST.

 
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